Warum und wo Fenster in Wohnungen wirklich undicht sind
In deutschen Mietwohnungen (Altbau 1900-1960, aber auch viele Bauten der 90er) kommt Zugluft selten „durchs Glas“, sondern fast immer durch Spalten: am Flügel, an der Dichtung, an der Griffseite oder unten an der Fensterbank. Typische Folge: kalte Luft fällt am Fenster herunter, der Heizkörper darunter arbeitet gegen eine Art Mini-Kamineffekt.
Wichtig: Du musst nicht sofort neue Fenster fordern. In vielen Fällen bringen 20-60 Euro Materialeinsatz pro Fenster einen deutlich spürbaren Effekt. Entscheidend ist, dass du zuerst diagnostizierst und dann die passende, mietfreundliche Maßnahme wählst.
Typische Undichtigkeiten erkennst du an: flatternden Vorhängen, kalten Zonen am Rahmen, Staubfahnen an Dichtungen oder pfeifenden Geräuschen bei Wind.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Schnelle Maßnahme ohne Bohren |
| Zugluft an der Griffseite | Dichtung platt oder Flügel verstellt | V-/P-Profil kleben, Anpressdruck prüfen |
| Kalter Luftzug unten | Spalt Fensterbank-Anschluss oder Rahmen unten | Abziehbare Dichtlippe, temporäre Fugendichtung |
| Rattern/ Pfeifen bei Wind | Kleine Leckstelle, oft Ecke oben | Schmale Schaumdichtung, Ecken gezielt nacharbeiten |

Diagnose in 10 Minuten: So findest du die Lecks ohne Spezialgerät
Bevor du etwas klebst: Finde die Leckstellen. Sonst dichtest du „irgendwo“ ab, der Effekt bleibt klein, oder du überklebst aus Versehen notwendige Entwässerungs- oder Lüftungswege.
Schritt-für-Schritt: Spalt-Check
- Handrücken-Test: Fahre langsam entlang der Dichtung. Der Handrücken reagiert empfindlicher auf kalte Strömung.
- Papierstreifen-Test: Papier (z.B. Kassenbon) zwischen Flügel und Rahmen klemmen, Fenster schließen. Lässt es sich leicht herausziehen, ist der Anpressdruck zu gering oder die Dichtung am Ende.
- Taschenlampen-Test (abends): Von innen am Rahmen entlang leuchten lassen. Wenn du Lichtspalte siehst, ist dort Luftweg.
- Hör-Test bei Wind: Pfeifgeräusche lokalisieren: oft in oberen Ecken oder an der Griffseite.
Wichtiger Hinweis für Mietwohnungen
Alles, was du klebst, sollte rückstandarm entfernbar sein. Vermeide dauerhafte PU-Schäume, Silikon in Sichtfugen und alles, was Lack oder Dichtlippen beschädigt. Wenn du unsicher bist: erst an einer kleinen Stelle testen.
Die 5 besten Lösungen ohne Bohren (mit Materialwahl nach Spaltgröße)
Es gibt nicht „die eine“ Dichtung. Entscheidend ist die Spaltbreite und ob das Fenster noch sauber schließt. Als Faustregel: Je weicher die Dichtung, desto besser für unregelmäßige Spalten. Je fester, desto langlebiger, aber nur bei gleichmäßigem Spalt.
1) Selbstklebende Schaumdichtung (für schnelle Erfolge)
Gut, wenn du sofort weniger Zugluft willst und der Spalt ungleichmäßig ist. Schaum dichtet kleine Unebenheiten gut ab, ist aber nicht ewig haltbar.
- Geeignet: ca. 1-3 mm (je nach Produkt), unregelmäßige Flächen
- Vorteile: günstig, einfach, überall erhältlich (Baumarkt, Drogerie)
- Nachteile: kann sich nach 1-2 Heizperioden setzen, Kleber kann bei Kälte nachlassen
Praxis-Tipp: Schneide die Streifen nicht „auf Stoß“, sondern überlappend in Ecken. Ecken sind die typischen Leckpunkte.
2) V-Profil oder P-Profil (für typische Altbau-Spalte)
V- und P-Profile sind Klassiker für Fenster, die nicht perfekt anliegen. Sie sind stabiler als Schaum und oft langlebiger.
- V-Profil: für größere Spalte und bewegliche Fugen
- P-Profil: für mittlere Spalte, bessere Rückstellkraft
- Geeignet: häufig 2-5 mm (produktabhängig)
Montage-Hack: Profile nicht in einem Zug um das Fenster „ziehen“. Besser: pro Seite separat kleben, Enden sauber anpressen, dann erst Ecken schließen.
3) Abziehbare Dichtlippe unten (gegen Kaltluft am Rahmen-Unterteil)
Wenn es unten zieht, liegt die Ursache manchmal am Übergang zur Fensterbank oder am unteren Rahmenabschluss. Hier hilft eine flexible Dichtlippe zum Kleben, die den Spalt „abdeckt“ statt ihn zu füllen.
- Geeignet: Spalt unten, wo eine Lippe aufliegt
- Vorteil: funktioniert auch bei schwankendem Spalt
- Wichtig: Bewegungsbereich des Fensterflügels prüfen, damit nichts schleift
4) Fenster einstellen (oft der eigentliche Gamechanger)
Viele Dreh-Kipp-Fenster lassen sich am Beschlag minimal nachstellen, sodass der Flügel wieder stärker an die Dichtung gedrückt wird. Das ist kein Bohren, aber ein Eingriff am Beschlag. In Mietwohnungen ist das in der Regel unkritisch, solange du nichts beschädigst und die ursprüngliche Einstellung wiederherstellen kannst.
- Typisches Zeichen: Papierstreifen lässt sich an einer Seite leicht herausziehen
- Werkzeug: meist Inbusschlüssel (oft 4 mm) oder Torx
- Ziel: gleichmäßiger Anpressdruck rundum
Praxis-Tipp: Mach vorher ein Handyfoto von jeder Position. Dann kannst du zurück, falls das Fenster danach schwergängig wird.
5) Temporäre Fugenabdichtung an der Innenfuge (nur gezielt, nur abziehbar)
Manchmal kommt die Zugluft nicht aus dem Flügel, sondern aus der Innenfuge zwischen Rahmen und Laibung (klassisch bei Altbau: Risse im Putz, alte Acrylfuge). Hier helfen abziehbare, mieterfreundliche Dichtmassen oder Dichtbänder für die Heizsaison.
- Geeignet: feine Risse, sichtbare Luftspuren, Zugluft trotz guter Flügel-Dichtung
- Vorteil: stoppt Luft direkt an der Gebäudehülle
- Risiko: unsaubere Optik, wenn schlampig aufgetragen - sauber abkleben
Saubere Montage: So hält die Dichtung wirklich (und lässt sich wieder entfernen)
Die meisten Reklamationen entstehen nicht durch falsches Produkt, sondern durch schlechte Vorbereitung: Staub, Fett, kalte Oberflächen oder zu viel Zug auf dem Klebeband.
Mini-Workflow für jede Klebedichtung
- Reinigen: Rahmen und Flügel mit mildem Reiniger, danach mit Isopropanol entfetten (sparsam, nicht auf Gummidichtungen „baden“).
- Trocknen: Komplett trocken, sonst hält der Kleber nicht.
- Temperatur: Wenn möglich bei 15-25 Grad kleben. Im Winter: kurz heizen oder Föhn auf niedriger Stufe (nicht übertreiben).
- Position: Dichtung so setzen, dass sie beim Schließen komprimiert wird, aber nicht blockiert.
- Anpressen: 30-60 Sekunden pro Abschnitt kräftig andrücken, besonders in Ecken.
- Aushärten: Fenster 1-2 Stunden möglichst geschlossen lassen, damit der Kleber „setzt“.
Typische Fehler aus der Praxis
- Zu dicke Dichtung: Fenster schließt nur mit Kraft - Beschläge leiden, Kippfunktion hakt.
- Über Dichtungsstöße hinweg: In Ecken entstehen Kanäle. Besser: Enden sauber schneiden, leicht überlappen.
- Entwässerungsöffnungen zugeklebt: Unten am Rahmen können kleine Schlitze sein. Die müssen frei bleiben, sonst staut sich Wasser.
- Nur eine Seite abgedichtet: Zugluft „wandert“ - prüfe alle vier Seiten.

Wärme, Schimmel, Luftfeuchte: Was du beim Abdichten im Blick behalten musst
Wenn du Fenster deutlich dichter machst, sinkt unkontrollierter Luftwechsel. Das spart Heizenergie, erhöht aber das Risiko für Kondenswasser, wenn du nicht sinnvoll lüftest. In deutschen Wintern ist das ein echtes Thema, besonders in Schlafzimmern und in Wohnungen mit vielen Textilien.
So verhinderst du Kondenswasser nach dem Abdichten
- Stoßlüften statt Kipplüften: 5-8 Minuten, 2-4x täglich (je nach Nutzung). Kipplüften kühlt Laibungen aus.
- Feuchte messen: Zielbereich 40-60% r.F. Ein günstiges Hygrometer pro kritischem Raum reicht.
- Möbelabstand: Schrank und Sofa 5-10 cm von Außenwänden weg, damit Luft zirkulieren kann.
- Schlafzimmer: Morgens direkt nach dem Aufstehen lüften, dort entsteht nachts viel Feuchte.
Realitäts-Check: Wenn nach dem Abdichten die Scheiben stärker beschlagen als vorher, ist das nicht automatisch „schlecht“ - oft zeigt es nur, dass der warme Raum nicht mehr permanent auskühlt. Dann ist Lüftungsroutine entscheidend.
Kosten, Wirkung, Prioritäten: Was sich in 50, 150 oder 300 Euro lohnt
Budget 50 Euro (1-2 Fenster)
- Schaumdichtung oder P-Profil für die Hauptleckstellen
- Hygrometer für den Raum
- Reiniger + Isopropanol
Budget 150 Euro (Wohnung spürbar verbessern)
- Alle relevanten Fenster abdichten (Wohnzimmer + Schlafzimmer)
- Zusätzlich Dichtlippe unten, wenn dort Zug spürbar ist
- Kleine Nachstellung der Beschläge (gleichmäßiger Anpressdruck)
Budget 300 Euro (Maximum ohne Fensterwechsel)
- Qualitativ bessere Profile, sauber über alle Fenster
- Innenfugen in kritischen Räumen temporär abdichten
- Optional: schwere Vorhänge als Komfort-Upgrade (nicht als Ersatz fürs Abdichten)
Podsumowanie
- Lecks zuerst lokalisieren (Handrücken, Papier, Taschenlampe) - dann gezielt abdichten.
- Profil nach Spalt wählen: Schaum für ungleichmäßig, V-/P-Profil für typische Spalte, Lippe für unten.
- Montage entscheidet: reinigen, entfetten, warm kleben, Ecken sauber ausführen.
- Entwässerungsöffnungen frei lassen, sonst riskierst du Feuchteschäden.
- Nach dem Abdichten konsequent stoßlüften und Luftfeuchte im Blick behalten.
FAQ
Welche Dichtung ist für Altbau-Kastenfenster geeignet?
Oft funktionieren V- oder P-Profile gut, weil die Spalte variieren. Bei Kastenfenstern gilt: erst die innere Ebene dicht bekommen, sonst bleibt es zugig. Bei sehr schiefen Rahmen ist Schaumdichtung der pragmatische Start.
Darf ich in der Mietwohnung Fensterdichtungen kleben?
In der Praxis ja, wenn es rückstandarm entfernbar ist und keine Substanz beschädigt wird. Vermeide dauerhafte Dichtstoffe in Sichtfugen. Im Zweifel: an unauffälliger Stelle testen und Dokumentation (Fotos) machen.
Warum schließt mein Fenster nach dem Abdichten schwer?
Meist ist die Dichtung zu dick oder sitzt an der falschen Stelle. Entferne sie und nutze ein dünneres Profil oder positioniere es so, dass es beim Schließen nur leicht komprimiert wird. Alternativ Anpressdruck minimal nachstellen, aber nicht überdrehen.
Hilft Abdichten auch gegen Straßenlärm?
Ja, vor allem gegen hohe Frequenzen (Pfeifen, Zischen) durch Leckstellen. Gegen tiefe Geräusche (LKW, Bass) helfen eher Masse und bessere Verglasung. Dichtungen sind trotzdem die erste, günstige Stufe.








