Fugen im Bad erneuern ohne Komplettsanierung: Silikon und Zementfugen sauber austauschen

Warum Fugen im Bad oft das eigentliche Problem sind

In vielen deutschen Bädern sind nicht Fliesen oder Sanitärkeramik der Schwachpunkt, sondern die Fugen. Poröse Silikonfugen lassen Wasser hinter die Abdichtung, verschmutzte Zementfugen halten Feuchte länger, und kleine Risse werden schnell zu Schimmelstellen. Das Gute: In den meisten Fällen lässt sich das ohne Komplettumbau lösen.

Typische Ausgangslage: Bad mit 4 bis 8 qm, Standardfliesen, Dusche oder Wanne an der Wand, Lüftung über Fenster oder Abluft. Wenn Silikonfugen bröseln oder sich schwarz verfärben, ist das meist Wartung, kein Baufehler. Kritisch wird es, wenn Fugen lange offen sind oder die Ecke dauerhaft nass bleibt.

Wichtig für die Planung: Silikon ist eine Wartungsfuge. Sie muss je nach Nutzung alle paar Jahre erneuert werden. Zementfugen (Fugenmörtel) halten länger, brauchen aber ebenfalls Pflege und gelegentliches Ausbessern.

  • Handelt es sich um Silikon? Fuge ist gummiartig, leicht elastisch, oft an Ecken und Anschlüssen.
  • Handelt es sich um Zementfuge? Fuge ist hart, zwischen den Fliesen, matt, mit Körnung.
  • Gibt es Schimmel nur oberflächlich? Punktuell schwarz, lässt sich ankratzen, Untergrund wirkt trocken.
  • Ist die Fuge gerissen oder hohl? Sichtbare Risse, Ablösung vom Rand, „Spalt“ zur Fliese.
  • Gibt es Feuchtesymptome? Muffiger Geruch, weiche Sockelleiste, verfärbter Putz an der Rückwand.
  • Wird regelmäßig gelüftet? Nach dem Duschen 5 bis 10 Minuten Stoßlüften oder funktionierende Abluft.
  • Ist es Mietwohnung? Silikonfugen erneuern ist oft Kleinreparatur/Schönheitsreparatur-Thema, vorher kurz klären.
Moderne Badezimmerdusche mit sauberen grauen Silikonfugen und hellen Wandfliesen
Neue Silikonfugen wirken sauber und schützen die Anschlüsse zuverlässig.

Vorbereitung: So vermeiden Sie die typischen Pfusch-Fallen

Die meisten schlechten Ergebnisse entstehen nicht beim „Silikon ziehen“, sondern durch mangelhafte Vorbereitung: zu feuchter Untergrund, alte Silikonreste, falsche Kartusche oder zu frühes Duschen. Planen Sie lieber 1 ruhigen Arbeitstag plus Trocknungszeiten.

Werkzeuge und Materialien (praxisbewährt)

  • Silikonentferner oder Cuttermesser/Fugenmesser (für alte Silikonfugen)
  • Kleiner Schaber oder Kunststoffspachtel (schont Fliesen)
  • Isopropanol/Spiritus oder silikonfreier Reiniger zum Entfetten
  • Malerband (saubere Kanten, besonders für Anfänger)
  • Silikonpistole (stabil, nicht die wacklige Billigvariante)
  • Sanitärsilikon (schimmelhemmend, passende Farbe)
  • Glättmittel oder ein Tropfen Spüli in Wasser (sparsam)
  • Fugenkratzer und Fugenmörtel (falls Zementfugen ausgebessert werden)

Trockenheit ist entscheidend

Wenn die Ecke hinter der Silikonfuge feucht ist, hält das neue Silikon schlechter und Schimmel kommt schnell wieder. Praktische Regel: 24 Stunden vor dem Arbeiten nicht duschen/baden, danach mit Heizung und Lüftung trocknen. Bei fensterlosem Bad: Tür offen lassen, Abluft länger laufen lassen.

Silikonfugen erneuern: Schritt-für-Schritt für Dusche, Wanne und Waschbecken

Silikonfugen sitzen an Bewegungsfugen: Wand-Wand-Ecken, Wand-Wanne, Wand-Duschtasse, Anschlüsse am Waschbecken. Genau dort arbeitet der Baukörper minimal. Deshalb ist „hart verfugen“ an diesen Stellen keine gute Idee.

1) Alte Silikonfuge komplett entfernen

  • Fuge mit Fugenmesser/Cutter links und rechts sauber einschneiden.
  • Silikonstrang herausziehen, Reste mit Schaber entfernen.
  • In Ecken Geduld: Silikonreste sind der Hauptgrund für spätere Undichtigkeiten.

2) Reinigen und entfetten

  • Fugenbereich mit geeignetem Reiniger säubern, danach gründlich trocknen.
  • Mit Isopropanol/Spiritus nachwischen, damit keine Seifen- oder Fettfilme bleiben.
  • Kein „Allzweckreiniger mit Pflegefilm“ kurz vor dem Silikonieren verwenden.

3) Abkleben für gerade Kanten

Für saubere Linien: Malerband beidseitig der Fuge kleben. Die Öffnung so wählen, dass die neue Fuge die alte Breite ungefähr trifft. In der Dusche sind oft 5 bis 8 mm sinnvoll, je nach Spalt.

4) Silikon richtig auftragen

  • Düse schräg abschneiden, eher kleiner starten und bei Bedarf nachschneiden.
  • Gleichmäßig ziehen: Pistole in einem Zug führen, Silikon in die Fuge „drücken“, nicht nur oben drauf legen.
  • Keine Lücken, keine Stop-and-Go-Ansätze.

5) Glätten ohne Schmierfilm

  • Glättmittel oder Wasser mit minimal Spüli verwenden (wirklich nur wenig).
  • Mit Fugenglätter oder Finger in einem Zug glätten.
  • Malerband sofort abziehen, solange Silikon noch frisch ist.

6) Aushärten lassen (der häufigste Fehler)

Sanitärsilikon ist meist nach 24 Stunden oberflächentrocken, volle Belastung kann 24 bis 48 Stunden dauern. Wer nach 6 Stunden duscht, riskiert Risse, Ablösung und später Schimmel.

Zementfugen auffrischen: Wenn die Fliesenfuge grau, bröselig oder fleckig ist

Bei Zementfugen geht es oft um zwei Themen: Optik (Verfärbung) und Funktion (Risse, Ausbrüche). Oberflächliche Verfärbungen lassen sich reinigen, aber wenn der Mörtel wirklich sandet oder Risse hat, ist Ausbessern sinnvoll.

Reinigen statt erneuern: Wann es reicht

  • Fuge ist hart, nicht hohl, keine Ausbrüche.
  • Verfärbung ist oberflächlich (Seifenreste, Kalk, Schmutz).
  • Keine dauerhaft nasse Stelle dahinter.

Praxis: Erst alkalischen Badreiniger gegen Fett/Seife, dann ggf. kalklösenden Reiniger gezielt gegen Kalk. Nicht wild mischen. Gut spülen.

Ausbessern: So wird es stabil

  • Lose Fugenanteile mit Fugenkratzer entfernen, mindestens 2 bis 3 mm tief, besser bis tragfähiges Material.
  • Staub gründlich absaugen, Fläche leicht anfeuchten (nicht nass).
  • Flex-Fugenmörtel anrühren, in die Fugen drücken, diagonal abziehen.
  • Nach dem Anziehen mit Schwammbrett abwaschen, nicht auswaschen.
  • Nach Trocknung Zementschleier entfernen (falls nötig mit geeignetem Zementschleierentferner).

Wichtig: In Ecken und Anschlüssen keine Zementfuge einsetzen, dort gehört Silikon hin. Sonst reißen die Fugen bei Bewegung.

Schimmel an Fugen: Was wirklich hilft und was nur kaschiert

Schimmel auf Silikon ist oft nicht nur „Dreck“, sondern wächst in Mikro-Rissen oder hinter der Fuge. Dann hilft Reinigen kurzfristig, aber nicht dauerhaft. Bei Zementfugen kann Schimmel auch auf organischen Rückständen sitzen, die sich reinigen lassen.

Wenn Silikon schwarz ist: meistens erneuern

  • Bei punktuellen, sehr frühen Stellen: Versuch mit Schimmelentferner möglich, aber oft kommt es zurück.
  • Wenn die Fuge „durchgehend“ fleckig ist oder sich vom Rand löst: komplett raus und neu.

Ursache abstellen: Feuchte-Management im Alltag

  • Nach dem Duschen Wasser von Fliesen und Glas abziehen (30 Sekunden, großer Effekt).
  • Textilien (Duschvorleger) regelmäßig trocknen und waschen.
  • Stoßlüften statt Kipplüften: 5 bis 10 Minuten, Tür dabei möglichst zu, damit Feuchte rausgeht.
  • Abluft prüfen: saugt sie spürbar? Filter/Abdeckung reinigen.

Welche Produkte passen: Farben, Materialien, typische Kosten

Für deutsche Baumärkte und Online-Shops gilt: Sanitärsilikon ist nicht gleich Sanitärsilikon. Achten Sie auf schimmelhemmende Ausstattung und darauf, ob es für Naturstein geeignet sein muss (sonst drohen Randverfärbungen).

Farbwahl ohne späteren Ärger

  • Weiß: wirkt frisch, zeigt aber Verfärbungen am schnellsten.
  • Transluzent: toleriert kleine Farbunterschiede, kann an Kanten „schmutzig“ wirken.
  • Grau/Manhattan: sehr alltagstauglich, passt zu vielen Fliesen und Armaturen.

Orientierungswerte (DIY)

  • Silikon (Kartusche): je nach Qualität meist im Bereich von ca. 8 bis 15 EUR
  • Fugenmörtel (kleiner Sack): grob 10 bis 25 EUR
  • Fugenmesser/Schaber/Glätter: einmalig ca. 10 bis 30 EUR

Für ein typisches Bad (Dusche plus Waschbecken) reichen oft 1 bis 2 Kartuschen. Rechnen Sie lieber eine Kartusche extra ein, wenn Sie zum ersten Mal arbeiten.

Wann Sie stoppen sollten: Hinweise auf größere Schäden

Manchmal ist eine Fuge nicht nur „alt“, sondern symptomatisch für ein Abdichtungsproblem. Dann hilft Silikon erneuern zwar optisch, aber nicht technisch.

  • Fliesen klingen hohl oder bewegen sich.
  • Fugen sind dauerhaft nass, trotz Lüften und Heizen.
  • Wand auf der Rückseite (Nachbarraum) zeigt Flecken oder Geruch.
  • Holzleisten/Schränke im Bad quellen auf, Boden wird weich.

In solchen Fällen: Ursache prüfen lassen (Leckage, Abdichtung, Anschlüsse). Das ist günstiger, als später Schimmel oder Estrichschäden zu sanieren.

Praxisbeispiel: Dusche in Mietwohnung schnell und ordentlich sanieren

Typischer Fall: 6-qm-Bad, Duschwanne, alte weiße Silikonfuge mit schwarzen Punkten. Vorgehen, das in der Praxis gut funktioniert:

  • Freitagabend: Letzte Dusche, danach trocken heizen und lüften.
  • Samstag: Silikon entfernen, reinigen, entfetten, abkleben, neu ziehen.
  • Sonntag: Nicht duschen, nur Waschbecken nutzen, gut lüften.
  • Montag: Normale Nutzung wieder möglich (je nach Produktangabe).

Wenn Sie dokumentieren müssen (Vermieter): Vorher-Nachher-Fotos machen und das verwendete Produkt notieren. Das hilft bei späteren Fragen.

Nahaufnahme von Werkzeugen zum Entfernen und Erneuern von Fugen im Bad
Mit Messer, Schaber und Klebeband gelingt die Fugenerneuerung deutlich sauberer.

Podsumowanie

  • Silikonfugen sind Wartungsfugen: bei Schimmel, Rissen oder Ablösung meist komplett erneuern.
  • Erfolg hängt an Vorbereitung: alte Reste weg, entfetten, absolut trocken arbeiten.
  • Zementfugen nur dort ausbessern, wo sie hart bleiben: nicht in Ecken und Anschlüssen.
  • Trocknungszeit einhalten: zu frühes Duschen ist Fehler Nummer 1.
  • Schimmel dauerhaft verhindern: nach dem Duschen abziehen, richtig lüften, Abluft sauber halten.

FAQ

Wie lange muss neues Silikon im Bad trocknen, bevor ich duschen kann?

Meist 24 Stunden, teils bis 48 Stunden für volle Belastung. Entscheidend ist die Angabe auf der Kartusche und die Raumfeuchte.

Kann ich neues Silikon auf altes Silikon auftragen?

Nein, das hält unzuverlässig und wird oft undicht. Alte Fuge muss vollständig raus, inklusive Reste.

Was ist besser: Silikon oder Acryl im Bad?

In Dusche, an Wanne und an Eckanschlüssen gehört Sanitärsilikon hin. Acryl ist dafür meist nicht wasser- und schimmelbeständig genug.

Meine Zementfugen sind grau und fleckig, aber nicht kaputt. Muss ich sie erneuern?

Oft reicht gründliches Reinigen. Erneuern oder ausbessern ist sinnvoll, wenn der Mörtel sandet, Risse hat oder ausbricht.